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Historie des Fischhauses Blanke


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m Jahre 1999 feierte das Fischhaus Blanke sein 75-jähriges Firmenjubiläum.
 
 
     

Nachfolgend lesen Sie Auszüge eines Presseartikels der Schaumburger Nachrichten vom 20. Mai 1999.
  
Auf einem Heringslogger in der rauhen Nordsee hatte sich Blankes in Niedernwöhren aufgewachsener Vater verdingt, bis er sich 1924 zu einem Aufsehen erregenden Wagnis durchrang - der Gründung eines im norddeutschen Hinterland bis dahin gänzlich unbekannten Fischhandels.
"Wir haben frische Meeresfische hier im Binnenland eingeführt", blickt Nachfolger Blanke mit Stolz auf den Beginn der originellen Familientradition zurück. 
Heringslogger

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ie es dazu kam? "Mein Großvater war 1905 beim Heringsfang auf hoher See umgekommen", erzählt der Fischkaufmann. "Dieser Verlust machte meinem Vater die lauernden Gefahren überdeutlich." Zweitens: "Der Lohn ging Anfang der Zwanzigerjahre stark zurück. Einigermaßen zu verdienen war nur noch auf mehrwöchigen Loggerfahrten hinauf nach Island." Diesem Schicksal zog Vater Blanke das Risiko vor, es in Schaumburg als Pionier des Fischhandels zu versuchen. 
Nach drei Stationen in der Krummen Straße und in der unteren Niedernstraße bezog das Fischgeschäft schon 1931 sein jetziges Domizil im 1581 errichteten Fachwerkhaus an der Niedernstraße 48. "Der Anfang war ganz, ganz schwer", berichtet Blanke aus der Chronik: "Die Tageskasse belief sich meist auf kaum 100 Mark. Es galt, überhaupt erstmal Vertrauen aufzubauen für das Produkt Meeresfisch." Zuvor waren in hiesiger Gegend aus dem Meer lediglich Trockenfisch und extrem haltbare Salzheringe bekannt. In nächtlichen Fahrten mit dem Motorrad holte der Fischhändler seine Frischware aus Bremerhaven.

 
 
Einige Umstände kamen den Blankes zu Hilfe. Direkt hinter dem Geschäft befand sich die damalige Stadthäger Brauerei. "Die hatte einen Kühlkeller, wo sie im Winter auf den Teichen gebrochenes Eis monatelang lagern konnte. Davon bekamen wir etwas ab", erinnert sich Blanke an Kindertage. "Die Eisblöcke kamen in die Mitte eines Regals, die Fische rechts und links daneben." Aus einer Heringstonne bastelte der Geschäftsgründer einen kleinen Räucherofen. Als erster Verkaufshit entpuppte sich schon 1924 eine selbst kreierte Essigmarinade für eingelegte Heringe - dasselbe Rezept gilt noch heute.

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ie für die gesamte Wirtschaft bedeutete der Zweite Weltkrieg auch für das Fischgeschäft einen bitteren Rückschlag. "Mein Vater und ich waren an der Front", erzählt Ernst Blanke, "und Mutter konnte nur gelegentlich von den Behörden rationiert zugeteilten Fisch verkaufen." Bereits 1946 kamen Ernst sen. und jun. aus der Gefangenschaft zurück. Sofort nahmen sie den Wiederaufbau in Angriff. Ein erster maschineller Kühlraum wurde gebaut, wenig später das Ladengeschäft stark vergrößert.
Ladengeschäft
1959 kam eine richtige Räucherei und veritable Fertigungsräume hinzu. 1972 erwarb die Familie ein weiteres denkmalgeschütztes Fachwerkhaus in der Schulstraße (die so genannte "Seegersche Burg" und frühere Mädchenschule), restaurierte dieses aufwändig nach historischen Plänen und baute daran ein geräumiges Lager mit Tiefkühlabteilung an.
Vollautomatisierte Räucher- und Backöfen gehören genauso wie Fettabscheider und eine Wärmerückgewinnungsanlage seit Jahren zur Ausstattung.
1992 schließlich gelang die Eröffnung des Fisch-Restaurants in der Rathauspassage. Nach und nach wurden immer mehr Mitarbeiter eingestellt - rund 25 sind es heute.
 
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as weithin einzigartige Spezialgeschäft verzeichnete einen hart erarbeiteten, aber steten Aufschwung.

Seit einiger Zeit wird das traditionsreiche Unternehmen als GmbH & Co KG betrieben . Geschäftsführer Michael Blanke ist stolz und glücklich , seinen nunmehr
85 jährigen Vater immer noch an seiner Seite zu wissen .
 
     

Ausflugstipp

Wer mehr über die Geschichte der Heringsfängerei erfahren möchte, der besuche das Heringsfängermuseum in Petershagen OT Heimsen.